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Startseite Info-Center Fachartikel & Checklisten Kreditmanagement Mehr Liquidität durch aktives Forderungsmanagement

Mehr Liquidität durch aktives Forderungsmanagement

Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform, 17.05.2011


Die zurückliegende Wirtschaftskrise steckt vielen Unternehmen noch in den Büchern und hat die Liquiditätsreserven angegriffen.

Das zeigt eine Analyse der Jahresabschlüsse von knapp 240.000 bilanzierungspflichtigen kleinen und mittleren Unternehmen aus den Jahren 2008 und 2009. So verzeichnete jedes dritte Unternehmen einen Rückgang der Eigenkapitalquote. Bei jedem siebten Unternehmen sank die Quote binnen Jahresfrist gleich um mehr als fünf Prozentpunkte. Wer mit solchen Zahlen bei seiner Hausbank vorstellig wird, riskiert schlechtere Kreditkonditionen. Die verschärften Eigenkapitalvorschriften für Banken tun ihr Übriges und erschweren den Zugang zu frischer Liquidität zusätzlich.

Der deutsche Mittelstand benötigt für die Zeit bis 2012 rund 60 Milliarden Euro für den Kauf von zusätzlichen Rohstoffen, Betriebsmitteln und Investitionsgütern. Das zeigt eine Studie von Roland Berger Strategy Consultants und der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Doch woher bekommen die Unternehmen die jetzt dringend benötigten Gelder, um die entstandenen Lücken in der Kapitalausstattung zu füllen und den Aufschwung zu finanzieren?

Die Antwort auf diese Frage ist – zumindest teilweise – in den Unternehmen selbst zu finden. Die Zauberformel lautet Working Capital Management, also das Management von Beständen, Forderungen und Verbindlichkeiten. Es ist eine der Stellschrauben, an der Unternehmer derzeit drehen können, um gebundene Liquidität für die Innenfinanzierung freizusetzen. Laut der genannten Studie haben die deutschen Mittelständler beim Thema Liquiditätsmanagement zwar schon deutlich aufgeholt, doch das ungenutzte Potenzial ist immer noch enorm. Über alle Branchen hinweg bleiben demnach rund 123 Milliarden Euro an Liquiditätsreserven ungenutzt. Knapp 40 Prozent davon entfallen auf Kundenforderungen.
 

Kapitalbindungsdauer gesunken – Zahlungsverhalten verbessert

Die meisten Unternehmen haben diese Finanzierungsalternative erkannt und ihr Liquiditätsmanagement deutlich professionalisiert. So ist die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer zwischen 2006 und 2009 von 64 auf 56 Tage gesunken. Damit ist das Kapital früher wieder verfügbar, und die Kapitalkosten konnten zurückgefahren werden. Positiv wirkte sich zudem der Rückgang bei verspäteten Zahlungseingängen aus. Wurden 2007 noch fast 40 Prozent der Zahlungen nicht fristgerecht beglichen, sind es heute weniger als 20 Prozent. Laut Udo Brückner, Produktmanager Inkasso beim Verband der Vereine Creditreform, zeigen diese Zahlen auch, dass viele Unternehmen die zurückliegenden Jahre für eine Professionalisierung des Forderungsmanagements genutzt haben. „Dabei wird auch die Seriosität und Bonität von Geschäftspartnern viel intensiver überprüft als noch vor einigen Jahren“, so Brückner weiter.

Da die eigene Zahlungsfähigkeit nicht zuletzt durch das Zahlungsverhalten der Kunden beeinflusst wird, werden sich auch die mittelständischen Unternehmen in Zukunft noch intensiver mit der Beschaffung von Liquidität befassen müssen. Neben einem aktiven Vorratsmanagement eignen sich dazu vor allem Maßnahmen im Forderungsmanagement und beim Umgang mit eigenen Verbindlichkeiten. Im Kern geht es darum, eigene Außenstände möglichst schnell zu realisieren und für eigene Verbindlichkeiten angemessene Skonti bei rascher Begleichung oder lange Zahlungsziele zu guten Konditionen zu vereinbaren. Bei einer systematischen Durchleuchtung des Betriebes kann eine Firma hier beachtliche Barmittel freisetzen.
 

Forderungsmanagement als Teil eines systematischen Credit Managements

Allerdings ist es zu kurz gedacht, sich erst dann mit dem möglichen Ausfall von Forderungen zu beschäftigen, wenn die Lieferung oder Leistung bereits erbracht wurde oder – schlimmer noch – wenn Forderungen bereits überfällig sind. Wenn Gelder ausbleiben, sind die Folgen fatal. Verliert ein Unternehmen bei einer Umsatzrendite von fünf Prozent eine Forderung von 5.000 Euro, muss es schon 100.000 Euro mehr Umsatz machen, nur um diesen Verlust auszugleichen. Das sind Gelder, die bei der Vorfinanzierung neuer Aufträge oder für die Begleichung eigener Zahlungsverpflichtungen fehlen. Darüber hinaus droht ein Dominoeffekt: Zahlt ein Kunde nicht, sinkt der Gewinn und die Zahlungsfähigkeit wird vermindert. Folgen der verminderten Liquidität können der Verzicht auf Lieferantenskonto, ein schlechteres Bankrating verbunden mit einer eingeschränkten Kreditfähigkeit bis hin zur Existenzgefährdung durch Insolvenz sein.

Um das Thema Forderungsmanagement systematisch anzugehen, muss es in ein übergeordnetes Credit Management eingebettet sein. Ganz egal, ob die konjunkturelle Großwetterlage gerade die Konzentration auf das Risiko- oder das Liquiditätsmanagement erforderlich macht; ein verlässliches und durchdachtes Credit Management leistet beides. Die Ansatzpunkte zur Etablierung oder Optimierung des Credit Managements sind über die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens verteilt. Besonderes Augenmerk verdienen dabei Kredit-Prozesse wie Kundenstammdaten, Bonitätsprüfung und -überwachung, Risikoklassifizierung, Keditlimitierung, Zahlungsbedingungen sowie Sicherheiten. Bei den nachgelagerten Forderungs-Prozessen stehen Aspekte wie Rechnungserstellung, Zahlungsverkehr, Mahnwesen, Reklamationsmanagement, Liefersperren, Inkasso sowie die Ausbuchung uneinbringlicher Forderungen im Vordergrund. Dabei muss jeder einzelne Teilprozess so genau definiert werden, dass sich daraus für die Mitarbeiter konkrete Handlungsanleitungen ableiten lassen.

In der Fortsetzung des Beitrages in Ausgabe 6/2011 lesen Sie, wie sich die genannten Teilprozesse inklusive Forderungsmanagement mit Hilfe der Mindestanforderungen an das Credit Management systematisieren und optimieren lassen.



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