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Unternehmensfinanzierung
Liquidität ist Trumpf
Liquidität ist Trumpf
Der Sturm an den Finanzmärkten und die Liquiditätsprobleme auch deutscher Kreditinstitute haben zu einem Vertrauensverlust in der Bankenwelt und zu verstärkter Vorsicht im Risikomanagement geführt. Für die kreditabhängigen kleinen und mittleren Unternehmen haben sich die Finanzierungsbedingungen im Zuge dieser Entwicklung weiter verschärft.
Viele Unternehmen stehen durch die Wirtschaftskrise vor großen Problemen. Auftragseingänge brechen weg, der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft versiegt, die Bonität verschlechtert sich, die Banken kürzen Kreditlinien. Als Reaktion darauf werden Lieferantenkredite stärker genutzt, was zu Liquiditätsengpässen oder im schlimmsten Fall zur Zahlungsunfähigkeit des Lieferanten führen kann. Auch die Forderungsausfälle steigen. Diese Entwicklung zeichnet sich durch die Verschlechterungen beim Zahlungsverhalten gerade im deutschen Mittelstand bereits ab. Auch die Überschuldungsquoten bei Verbrauchern werden ansteigen, was zu einer weiteren Zunahme der Forderungsausfälle führen wird.
Bonität entscheidet
Die Verschlechterung der Auftragslage der deutschen Wirtschaft, verbunden mit verringerter Zahlungsmoral sowie einem Anstieg von Insolvenzen, haben das Misstrauen der Unternehmen wachsen lassen. Die Kreditgewährung – sowohl auf Seiten der Banken als auch bei Lieferanten – ist zu einem riskanten Geschäft geworden. Und dies in einer Phase, in der mittelständische Unternehmen verstärkt aufeinander angewiesen sind. Für den Wiederaufbau des in der Krise verloren gehenden Vertrauens ist zusätzliche Transparenz erforderlich. Dazu sind vor allem auch ein Umdenkprozess und ein Kulturwandel in den Unternehmen notwendig. Durch einen kontinuierlichen Austausch von Informationen leistet Transparenz einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau und Erhalt gegenseitigen Vertrauens. Indem die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens offengelegt wird, wirkt Transparenz der Informationsasymmetrie entgegen und wird zur vertrauensbildenden Maßnahme.
Um den steigenden Forderungsausfällen in den kommenden Monaten zu begegnen, wird ein effektives Forderungs- und Liquiditätsmanagement immer dringlicher. Für die kleinen und mittleren Unternehmen heißt das etwa: im Vorfeld die Bonität des Geschäftspartners prüfen, nach Leistungserstellung die Rechnung unverzüglich und mit konkreter Angabe eines Zahlungsziels versenden, das Mahnwesen professionalisieren – auch mit Hilfe externer Dienstleister – sowie bei unbekannten Geschäftspartnern das Limit für den Lieferantenkredit anpassen und im Zweifelsfalle auf Bar- oder Anzahlung bestehen. Risikobewusstsein ist das Gebot der Stunde, ein zu laxer Umgang mit den Risiken des Geschäftsalltags ist nicht selten Existenz bedrohend.
In diesem Zusammenhang spielt die Bonität potenzieller Kreditnehmer eine entscheidende Rolle. Ist der Interessent zahlungsfähig und -willig? Zahlt er bei anderen Lieferanten seine Rechnungen pünktlich? Und wie ist seine wirtschaftliche Gesamtsituation? Das Wissen über diese Aspekte liefert einen entscheidenden Informationsvorsprung bei der Vermeidung von Forderungsausfällen.
Wichtigstes Instrument ist hierbei die Wirtschaftsauskunft. Sie ermöglicht eine Beurteilung des potenziellen Geschäftspartners auf einen Blick und macht eine effiziente und sichere Kreditentscheidung möglich. Bei Creditreform, dem führenden Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Inkasso-Dienstleistungen in Deutschland, manifestiert sich die Zahlungsfähigkeit vor allem im so genannten Bonitätsindex, der 15 bonitätsrelevante Merkmale wie Auftragslage, Verschuldungsgrad, Zahlungsweise und Liquiditätslage verdichtet und damit eine aussagekräftige Beurteilung der Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens liefert.
Die Daten stammen unter anderem aus öffentlichen Quellen wie Handels-, Genossenschafts-, Gewerbe- oder Vereinsregistern. Hinzu kommen Informationen über Insolvenzverfahren und Angaben aus Schuldnerverzeichnissen. Auch Bilanzen und Geschäftsberichte werden von den Creditreform Rechercheuren erfasst und analysiert. Darüber hinaus können Unternehmen mit einer Selbstauskunft eigene Informationen an Creditreform übermitteln, die anhand von Vergleichsdaten auf Plausibilität überprüft werden. Auch die inzwischen mehr als 80 Millionen einzelnen Zahlungserfahrungen von Creditreform Mitgliedern, die im ZaC-Pool (ZaC = Zahlungserfahrungen Creditreform) vorliegen, fließen mit in die Bonitätsbeurteilung ein.
Dass eine genaue Überprüfung von Geschäftspartnern nicht nur bei Neugeschäften wichtig ist, zeigt eine aktuelle Auswertung der Creditreform Datenbank: Danach verschlechtern gestiegene Ausfallrisiken die Bonitätsbewertungen der Unternehmen auf breiter Front. Gute Noten werden seltener vergeben. Der durchschnittliche Bonitätsindex für die erfassten Unternehmen lag im ersten Quartal 2009 bei 261 Punkten. Damit hat sich das Bonitätsurteil gegenüber dem Vorjahr um zwei Punkte verschlechtert. Diese Verschiebung um zwei Zähler wirkt auf den ersten Blick unspektakulär.

Ein genauer Blick auf die Veränderungen innerhalb der einzelnen Bonitätsklassen zeigt im Vergleich zum Vorjahr allerdings, dass gerade die Anzahl der Unternehmen in den unteren Bonitätsklassen deutlich gestiegen ist. Auch ist die Streuung der Bonitätsbewertungen in den einzelnen Wirtschaftsbereichen enorm. Das beste Krediturteil wird Unternehmen der chemischen Industrie zuerkannt. Dagegen weisen Verkehrs- und Logistikbetriebe deutlich schlechtere Bonitätsnoten auf. Schwächer als der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt schneiden auch die Dienstleistungssektoren und die Baubranche ab.
Gläubigerschutz hilft bei Liquiditätssicherung
Doch die reine Bonitätsprüfung vor Geschäftsabschluss greift bei einem professionellen und umfassenden Liquiditätsmanagement zu kurz: Es sind weitere Anstrengungen nötig, um die eigene Liquidität langfristig sicherzustellen. Entscheidend ist es dabei, ein klares Gesamtkonzept zu verfolgen und die einzelnen Elemente des Risikomanagements sinnvoll miteinander zu verbinden. Die Unternehmensgruppe Creditreform stellt ihren Kunden in dieser Situation ein Instrumentarium aufeinander abgestimmter Dienstleistungen zur Verfügung, die zur gezielten Risikoidentifikation und Risikosteuerung eingesetzt werden können. Die verbindende Klammer ist der Schutz vor Forderungsausfällen, die Liquidität vernichten und den Fortbestand von Unternehmen gefährden. Jede einzelne Dienstleistung trägt an der jeweiligen Stelle der Kundenbeziehung dazu bei, Zahlungsausfälle entweder zu verhindern oder die Auswirkungen zu minimieren.
Die bonitätsbasierte Auswahl von Neukunden zu Beginn einer Geschäftsbeziehung ermöglicht schon vor der Erstansprache eine Unterscheidung zwischen soliden und weniger soliden Abnehmern. Im weiteren Verlauf ermöglichen regelmäßige Kreditprüfungen – auch bei Bestandskunden – ein kontinuierliches Risiko-Monitoring und die Anpassung des Kreditlimits entsprechend der aktuellen Bonität eines Geschäftspartners. Im Inkasso gilt es, zügig zu eskalieren und einen externen Inkasso-Dienstleister einzuschalten, wenn ein Schuldner in Verzug geraten ist. Dieses Vorgehen ist wichtig, da sich das Zahlungsverhalten von Schuldnern nicht zuletzt auch an der Vorgehensweise und an der Eskalationsfreudigkeit des Gläubigers orientiert. Dass dabei Stil und Form gewahrt bleiben müssen, versteht sich von selbst.
Durch das seit Juli 2008 geltende Rechtsdienstleistungsgesetz ist es Unternehmen wie Creditreform inzwischen möglich, die komplette Titulierung und Zwangsvollstreckung unstreitiger Forderungen ohne Einschaltung von Rechtsanwälten selbst zu betreiben. Damit bietet sich den Inkasso-Kunden ein durchgängiger Inkasso-Service, bei dem die Prozessschritte Mahnservice, Inkasso, gerichtliches Mahnverfahren, Vollstreckung und Überwachung in einer Hand liegen.
Autor: Michael Bretz, Beitrag aus Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt
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