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Interview IT-Landschaften

Creditreform Magazin, 09.02.2012


"Schon bei kleinen Anlagen lohnt sich ein genauer Blick"

Interview mit Christian Bauerschmidt von der TÜV SÜD Industrie Service GmbH über energieeffizente IT-Landschaften im Mittelstand.

Herr Bauerschmidt, wie ernst wird das Thema Energieeffizienz bei deutschen IT-Dienstleistern genommen?

Energieeffizienz ist inzwischen als ein wichtiger Erfolgsfaktor bei den Betreibern von Rechenzentren erkannt worden. Aber auch das CO2-Management im Rahmen des sogenannten Corporate Carbon Footprint spielt eine immer größere Rolle. Ein solcher "Fußabdruck" berücksichtigt alle Emissionen entlang der Wertschöpfungskette wie auch die Emissionen durch IT-Prozesse. Energieeffizienz und CO2-Reduktion hängen unmittelbar zusammen. Denn die IT-Infrastruktur verursacht allein in Deutschland einen CO2-Ausstoß von jährlich rund 6,4 Millionen Tonnen!

Wie können Mittelständler Energie und damit CO2 einsparen?

Oftmals gehen die Möglichkeiten für Energieeinsparungen im Tagesgeschäft unter. Außerdem unterschätzen viele Manager die Einsparpotenziale in ihrem Unternehmen. Ursächlich ist meist die unzureichende, übergreifende Betrachtungsweise der eigenen IT-Infrastruktur. Deshalb ist die Grundlage unserer Beratung die methodische und systematische Analyse des IST-Zustands hinsichtlich Energieeffizienz und wirtschaftlich sinnvollen Optimierungsmöglichkeiten.

Ab welchem Verbrauch lohnt sich der detaillierte Blick auf Energieeffizienz?

Im Prinzip kann ab dem ersten Gerät der Energieverbrauch optimiert werden. Wenngleich in großen Rechenzentren der absolute Einsparbetrag höher ist, lohnt sich in den meisten Fällen auch bei kleinen Anlagen ein genauer Blick auf die IT-Landschaft. Oftmals lassen sich bereits mit einfachen Maßnahmen enorme Effizienzsteigerungen umsetzen. Zum Beispiel kann durch Auslagerung der Server in die nördlichen Gebäudeteile und Nutzung der Außentemperatur die notwendige Kühlleistung signifikant gesenkt werden. Das lohnt bereits beim kleinen Mittelständler.

Worauf sollten insgesamt die Schwerpunkte liegen?

Auf der Stromversorgung, den Prozessen zur Kühlung und Klimatisierung des Rechenzentrums, der IT-Ausstattung und auf den Verfahren zur Beschaffung, Installation und De-Installation von Software.

Hätten Sie hierfür ein Beispiel?

Viele Rechenzentren sind mit Raumklimaanlagen und Druckboden-Klimatisierung ausgestattet. Diese nutzen einen Doppelboden, um die Server mit Zuluft zu versorgen. In der Praxis entweichen oft unbeabsichtigt bis zu 60 Prozent der Kaltluft durch unzureichende Abdichtung der Luftschächte. Wesentliche Einsparpotenziale können natürlich bei der Bauplanung berücksichtigt werden. In jedem Fall ist dies wirtschaftlicher als später nachrüsten zu müssen.

Welche Rolle spielt hierbei das CO2-Management?

Vielen Betrieben ist noch nicht bewusst, dass die Klarheit über die eigene CO2-Bilanz die Wettbewerbsposition deutlich stärkt. Börsennotierte Unternehmen, die vom Carbon Disclosure Projekt beispielsweise hoch bewertet wurden, hatten im internationalen Vergleich von Januar 2005 bis Mitte 2011 eine doppelt so hohe Rendite wie ihre Wettbewerber. Daraus wird ersichtlich, dass in erster Linie nicht der Imagegewinn Vorteile bringt, sondern der transparentere Blick auf die betrieblichen Prozesse und Kostenstrukturen sowie die aktive Steuerung künftiger Risiken.

Helfen Zertifikate weiter?

Verständlicherweise wollen viele Unternehmen den Erfolg ihrer Energiesparmaßnahmen überprüfen lassen und die Energieeffizienz ihrer Produkte auch nach außen darstellen. Mit unserem TÜV SÜD-Zertifikat "Energieeffizientes Unternehmen - Rechenzentrum" beispielsweise decken wir die vorhandenen Einsparpotenziale auf, und es wird ein bereits erreichtes Energieeffizienzniveau bestätigt. Außerdem belegen die Betreiber, dass sie den Anforderungen eines nachhaltigen Wirtschaftens gerecht werden und verantwortungsvoll mit Energie und Ressourcen umgehen.

Die Fragen stellte Ingo Schenk



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